Hierzulande hat das Volkstümliche einen ganz und gar negativen Beigeschmack. Mancher versucht es mit dem Nationalsozialismus oder der Klassik-Tradition erklären, ganz nachvollziehbar sind beide Thesen nicht. In anderen Ländern ist dies nicht so. Traditionelle Melodien, Musizierweisen und Instrumente haben dort noch ihren Platz. Der Balkan ist dafür ein perfektes Beispiel, Goran Bregović der Großmeister dieser Sparte. Am vergangenen Samstag war er samt Band in München zu erleben.
Wie es aussah, war die ganze serbische und ex-jugoslawische Diaspora Oberbayerns in der TonHalle der Kultfarbik versammelt. Die Stimmung, auch dank des großzügigen Bierausschanks, war am Brodeln. Aber Alkohol war hier erlaubt, schließlich heißt auch Bregović' aktuelles Album "Alcohol" und diese Musik ist eine Gute-Laune- oder eine Sentimental-Musik, jedenfalls aber keine feinsinnige Grübelmusik.
Für gute Laune und manches herzzerreißende Schluchzen sorgte alsdann der Komponist und Musiker auch. Dazu trug sicher ebenfalls bei, dass die meisten Anwesenden das Werk des Künstlers in- und auswendig kannten. Mitsingen, Mitklatschen aber vor allem auch Mittanzen waren selbstverständlich. Bregović vereinte Jung und Alt zu einem Fest der guten Laune. Das Element "Funeral" (Begräbnis), das im Namen seiner Truppe enthalten ist, kam dabei zu kurz, zumindest kam nie Trauerstimmung auf.
Alle seine großen Erfolge kamen beim Konzert in der ehemaligen Halle zum Gehör. Am bekanntest für nicht-serbische Hörer dürfte dabei "Ovo je Balkan" (Das ist der Balkan) sein. Mit dem Lied aus der Feder von Goran Bregović trat Milan Stanković vergangenes Jahr beim Eurovision Song Contest in Oslo an, erfüllte leider nicht die berechtigten Hoffnungen, das Lied ist jedoch zu einem Klassiker geworden.
Das wunderschöne "Ruzica si bila" (Du warst eine Rose) brachte das Publikum zum Schwelgen. Dem Applaus nach zu urteilen, war es eines der beliebtesten Lieder an diesem Abend. Es waren ihrer aber zu viele, um alle zu nennen.
Nicht übergangen werden darf die fantastische Band des Meisters. Vor allem dem Hauptsänger, Schlagzeuger und Akkordeonist gebührt Respekt für sein Durchhaltevermögen und die mehr als ordentliche Leistung.
Nach dem gut zweistündigen Konzert konnte man, ob Serbe oder nicht, nach Hause gehen, und sich sicher sein, dass Musik schön, volksliedhaft, fröhlich und musikalisch hochwertig zugleich sein kann. "Balkan, Balkan, Balkan, ovo je Balkan, come on."



