Montag, 28. Februar 2011

Organisierte Interpretationsmuster

Christine Schäfer unter Begleitung von Eric Schneider am Klavier im Herkulessaal in der Residenz München am 26. Februar 2011

Christine Schäfer hat keine große Stimme. Stimmfeuerwerke darf man von ihr nicht erwarten. Aber dafür ist ihre Kunst auch zu subtil. Was sie am Samstag in München bot war ein interpretatorisch fein abgestimmter, aber wenig überraschender Liederabend.

Den Schwerpunkt legte die Sopranistin auf Lieder von Mahler und Bach sowie im zweiten Teil des Konzerts auf Wolf und Webern. Von Mahler gab es einige der Wunderhorn-Lieder, deren ultimative Deutung meines Erachtens aus der Goldkehle Lucia Popps stammt. So hat es auch einige Zeit gebraucht, bis ich mich von der Vorlage der Altösterreicherin lösen konnte. Beim Einstieg mit "Revelge" war es noch nicht soweit, aber schon bei "Rheinlegendchen" war klar: Hier geht die Sängerin einen eigenen Weg. Man kann keinen Seelenklang, keine improvisierten Deutungen erwarten, sondern organisierte Interpretationsmuster. Schäfer versteht die recht opernhaften Mahler-Lieder auch als kleine Opern, ohne dass sie im Gesang zu theatralisch wäre. Dazwischen streute sie mit Verbot von störendem Zwischenapplaus (hätte sie nicht auch das ewige Dazwischenhusten verbieten können?) Bach-Werke, allen voran "Bist Du bei mir, geh' ich mit Freuden".

Im zweiten Teil bildete Mahler nur den Abschluss mit "Das himmlische Leben". Webern war sozusagen das Alibi des Monats. Begeistert hat es vielleicht nicht, aber für gehobenen Anspruch gesorgt.

Ganz besonders hervorgehoben werden muss der Klavierbegleiter Eric Schneider. Er hat, vor allem bei den orchestral geprägten Wunderhorn-Lieder, das Fundament für diesen Liederabend gelegt. Ein gelungener Abend, der vom Publikum mit viel Applaus belohnt wurde. Aber irgendwas hat gefehlt abseits der organisierten Interpretation, vielleicht die Spontaneität, das unmittelbare Gefühl.

Ich denke dies und denke das,
ich sehne mich, und weiß nicht recht, nach was:
halb ist es Lust, halb ist es Klage;

(Eduard Mörike: "Im Frühling", vertont von Hugo Wolf)