Sonntag, 24. Oktober 2010

Von wegen Game Over

Benyamin Nuss spielt Videospielmusik von Nobuo Uematsu im Gewandhaus zu Leipzig am 23. Oktober 2010

Normalerweise findet sich an dieser Stelle nur Vokalmusik, aber es sei mal angesichts eines sehr gelungen Klavierabends von Benyamin Nuss im Leipziger Gewandhaus mit einem Programm, das fast ausschließlich aus von Jazz- und Klassikkomponisten arrangierter Videospielmusik von Uematsu fürs Klavier bestand, eine Ausnahme erlaubt.

Einige Dinge fielen bei dem Konzert auf: Das Publikum war wie erwartet sehr jung und überwiegend männlich, also Videospielfreunde, wie man sie sich vorstellt. Manche davon waren anscheinend zum ersten Mal im Gewandhaus oder bei einem klassischen Konzert. Es fiel auch auf, dass das übliche Gewandhaus-Publikum der Veranstaltung fernblieb. Insgesamt war die Sendung nur spärlich gefüllt.

Auch eher unüblich für einen Klavierabend war, dass der junge Pianist (Jahrgang 1989) die Stücke kommentierte und ankündigte. Am Ende bekam er sogar stehende Ovationen und spielte vier Zugaben, darunter auch Debussy.

Nuss' Ansinnen ist sehr löblich: Einerseits Videospielmusik vom Vorwurf des Gedudels zu befreien und andererseits Menschen an Klassik oder das klassische Klavierspiel heranzuführen, die ansonsten wenig Berührungfläche zu der großen E-Musik haben. Ob das so richtig funktionieren wird, ist nicht ganz klar. Wenn, dann sicherlich nur im kleinen Rahmen.

Jedenfalls ist der Sohn eines WDR-Jazzmusikers bereit, auch das wirklich "ernste" Repertoire zu erobern. Sein Klavierspiel ist technisch vorbildlich, pointiert und charaktervoll. Seine Erscheinung ist nicht arrogant, sondern selbstbewusst und einnehmend. Viel Glück bei der Karriere! Game Over ist noch lange nicht.