Donnerstag, 2. September 2010

Lieder mit sympathischen Mängeln

Liederabend von Annette Dasch, begleitet am Klavier von Wolfram Rieger, im Mendelssohn-Saal im Leipzig Gewandhaus am 01. September 2010

Gestartet als Salzburger Mozart-Sensation und neue deutsche Sopranhoffnung ist Annette Dasch nun doch in der Wirklichkeit des deutschen Konzert- und Opernlebens angekommen. Jetzt widmet sie sich dem romantischen Liedschaffen und das überraschend gekonnt.

Annette Dasch: Eine Liedsängerin auf gutem Wege (Photo: Sony Music)

Im Rahmen der Leipziger Mendelssohn-Festtage bot die Sängerin ein nur Felix Mendelssohn und Robert Schumann gewidmetes Programm. Ist sie in der Opernszene recht umstritten, hat sie für diesen Status auch als Liedsängerin Potential. Eine sehr angenehme, frauliche, aber nicht zu liebliche Stimme gepaart mit einigen Ungeschliffenheiten. In der ersten Hälfte des Konzerts war die Mühe der Sängerin beim Tonansatz nur allzu deutlich. Die Begrenztheit ihres Stimmumfangs wurde nur allzu deutlich, wenn sie Material zu singen hatte, das eine gesunde Tiefe verlangte. Dies und die Tonbildung wurden im zweiten (diesmal rein Schumann gewidmeten) Teil des Abends besser, für einige tiefere Töne schlüpfte sie gar in ihre natürliche Stimme. Ihr Klavierbegleiter Wolfram Rieger erfüllte seine Aufgabe vorbildlich, wenn auch nicht immer intonationssicher.

Etwas spektakulär wurde es, als ihr bei einem Lied die Stimme fast versagte: Ein trockener Hals verschaffte sich Gehör und störte den sauberen Liedfluss. Sollte nicht passieren und ist mir in einem klassischen Konzert auch noch nie zu Ohren gekommen, aber es war ein eher belebendes Element und das Publikum nahm es der Sängerin zu keinem Augenblick übel.

Was ihr zu Gute gehalten werden muss ist ihr Gestaltungswille. Vielen Liedern auf dem Programm drückte sie einen eigenen Stempel auf, gestaltete sie schauspielerisch, wenn auch meist doch die Stimme alleiniger Darsteller blieb, fast wie kleine Opern. Besonders wohl fühlte sie sich hierbei bei Werken wie Mendelssohns "Hexenlied". Das freche Element dieses Kleinods war auch das ihre.

Bis zu den drei Zugaben waren vor allem Nischenproduktionen des deutschen Liedwerks zu hören. Dann präsentierte sie jedoch eine sehr gelungene Version des berühmten "Nussbaums". Im Anschluss sang sie nach Worten des – so die Künstlerin – ansonsten keine Rolle spielenden Dichters Christian L'Égru das herzerwärmende Lied "Aufträge". Hier wärmte auch sie sich endlich richtig auf – und dankte dem Publikum für einen schönen, hustanfallfreien Abend –, bevor sie dann mit Schillers "Wilhelm Tell" in der musikalischen Adaption durch Robert Schumann den Sommer und das Publikum verabschiedete. Mit einem guten Gefühl auf beiden Seiten. Hier stand eine Liedsängerin, die noch nicht am Ziel ist, aber auch der Weg dahin macht schon Spaß.

Programm:
Robert Schumann
1. Sechs Gesänge, op. 89
2. Fünf Lieder und Gesänge op. 9
Felix Mendelssohn
3. Frühlingsglaube op. 9 Nr. 8
4. Suleika op. 34 Nr. 4
5. Suleika op. 57 Nr. 3
6. Wenn sich zwei Herzen scheiden op. 99 Nr. 5
7. Das Waldschloss
8. Andres Maienlied ("Hexenlied") op. 8 Nr. 8
9. Nachtlied op. 71 Nr. 6
Robert Schumann
10. Liederkreis op. 39
Zugabe 1. Der Nussbaum
Zugabe 2. Aufträge
Zugabe 3. Des Sennen Abschied