Auf dem letzten Konzert ihrer Deutschland-Tour konnte Whitney Houston (Photo: nordbayern.de) stimmlich nicht so sehr beeindrucken wie zum Beispiel in Nürnberg zuvor, aber eine gut aufgelegte Künstlerin und der Wille zu singen, haben den Abend dennoch zu großem Erfolg geführt.Schnell war klar, dass Whitney Houston am Main nur mit halber Stimme wird singen können. Die Kopfstimme war ausgefallen. Die Ursache dafür liegt in der Natur. Sie sei nur menschlich und eine Frau, was sie mit einer kurzen A-cappella-Version von "I'm Every Woman" unterstrich. Unmissverständlich, was damit gemeint war.
Da ihr dieses vokale Defizit bewusst war, hat sie meistens auch auf den Versuch verzichtet, in die für sie typischen berauschenden Höhen zu gehen. Ihre Bruststimme, die ebenfalls etwas brüchiger war, musste das ausgleichen. Und sie tat es. Sie entlockte ihrem Gesangsapparat so manches, was bei einer anderen Sängerin undenkbar gewesen wäre. Gerade die Titel, die in diesem Bereich liegen wie "I Learned From The Best" gelangen geradezu genialisch. Ihre für den Jazz perfekte Phrasierungskunst stellte sie hier wieder einmal zur Schau. Dass die Berufskritik darauf nicht eingeht, ist erschreckend entlarvend. Über das sehr schwierige und höhenfliegende "I Look To You" rettete sie sich gekonnt und beeindruckend.
Als es zum vermeintlichen Höhepunkt des Konzertes kam, "I Will Always Love You", sang sie die erste Strophe und Refrain klanglich einwandfrei und ging nach Anweisung an die Musiker in ihre neue Überlebenshymne "I Didn't Know My Own Strength" über. Die Überraschung und Enttäuschung ob dieses Programmwechsels war vielen Anwesenden ins Gesicht geschrieben, aber es wurde schnell deutlich, dass es die richtige Entscheidung war. Denn die Darbietung des Diane-Warren-Lieds gelang ohne Brüche und mit viel Gefühl und führte zu nicht aufhörend wollendem Applaus, was die Diva bei überkochendem Applaus sichtlich gerührt hatte.
Es war ein Abend des Abschieds. Die schwierige Mission Deutschland hat die Amerikanerin souverän ohne irgendwelche Skandälchen oder Stolpersteine überstanden, dafür aber gesehen, dass sie hier eine überaus loyale und kräftige Fangemeinschaft hat, der sie zum Schluss zugesungen hat, "See you next time!" ("Bis zum nächsten Mal!"). Keine Frage. Wir sehen uns.
Konzert als MP3 [224 kbit/s, 67,7 MB/96,1 MB]

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