Wenn man etwas am wenigsten erwartet, wird man meistens überrascht. Nach drei mehr (Leipzig, Hamburg) oder weniger (Berlin) gelungenen Konzerten von Whitney Houston durfte ich mich nun von ihr in Nürnberg überraschen lassen.
Es begann recht unspektakulär in der ersten Hälfte. Erste Anzeichen davon, dass sie sich nicht komplett auf die Kopfstimme verlassen wird können, waren erkennbar. Sie sang dennoch ein ordentliches "I Look To You".
Auch "My Love Is Your Love" funktionierte wie immer als Publikumsliebling. "It's Not Right But It's Okay" offenbarte einige vokale Ecken und Kanten, die dem Lied aber nicht schadeten.

In der zweiten Hälfte des Konzerts wandelte sich aber ein solides Konzert zu einem herausragenden, auch wenn es wieder eher verhalten anfing. Das Tribut an Michael Jackson in Form des Leon-Russell-Schlachtrosses "A Song For You" spannte das Publikum ziemlich an aufgrund der für Nicht-Fans doch langen und vielleicht auch schwer verständlichen Rede. Als das Reden vorbei war, wurde es spektakulär. Die Improvisations- und Phrasierkunst der Sängerin (Photo: infranken.de) zeigten sich von ihrer besten Seite. Hier war der Höhepunkt, wie so gut wie bei jedem ihrer Konzerte des aktuellen Tournee, "I Learned From The Best". Eigentlich eine recht musterhaft gestrickte Pop-Ballade, ist sie im neuen Arrangement ein Jazzfest. Sie scattet, sie macht Geräusche, die jeglicher Bezeichnung spotten, sie improvisiert und sie hat den Swing. Das ist ihr Weg.
Auch "I Love The Lord" war wieder die Manifestation einer wahren Sängerin. Wer Gospel singen kann, der kann alles singen. Whitney Houston kann Gospel singen.
Die größte Überraschung und das Lied, das das Publikum ganz klar auf die Seite der Sängerin brachte, war jedoch das Lied, für das ich jegliche Hoffnung verloren hatte: "I Will Always Love You". Selten, das heißt nie hat sie es auf dieser Tour so gut, so nah am Original gesungen. Auch hier gingen einige wenige Noten daneben, aber keine, die sie nicht retten konnte. Die Klimax war jedoch (und die hat ihr in letzter Zeit besonders viele Probleme gemacht) einwandfrei. Der Saal in Franken tobte. Der Applaus für diese Leistung war ungeahnt. Sodann konnte dieser Abend nur noch als Erfolg verbucht werden. Es wurde anschließend getanzt, am Ende gab es ihre neue Hymne "I Didn't Know My Own Strength" in einer gekürzten, aber sehr effektiven Version. Sie kombinierte das Lied mit Zeilen aus einem von Robert Kelly geschriebenen Lied aus dem neuen Album, "Salute".
Eine andere Sängerin, die zwei Lieder auf einmal singen kann, ist mir unbekannt. Ebenso wie eine, die man nicht mit stereotypen Vorstellungen von Musik verstehen kann, die über das Abspulen von Leidern hinausgeht. Ihr ist aber in Nürnberg eine Balance zwischen Anspruch der Sängerin und Erwartung des Publikums gelungen. Vor der Zugabe gab es frenetischen Applaus.Audio des Konzerts (exklusive der letzten zwei Lieder).

1 Kommentare:
Cool post. Thanks!
levitra v bryanske
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