Es sei vorweg genommen, dass 2009 für mich das wohl aufregendste Musikjahr in meinem bisherigen Leben war. Ich habe Konzerte erlebt, die mich verändert haben. CDs sind herausgekommen, auf die ich seit langer Zeit gewartet habe und die meine Sicht auf Musik auf den Kopf gestellt haben. Aber alles der Reihe nach.Begonnen hat das Jahr mit Georg Friedrich Händel. Ihm zu Ehren erschienen in diesem Jahr und bereits im Vorjahr einige interessante Aufnahmen. Eine der von mir am gespanntesten erwarteten war die von Vesselina Kasarova, die 2008 unter dem Titel "Sento Brillar" erschien. Für mich ein gelungenes Paket einer großartigen Sängerin. Dass ich diese Ende November bei einem Liederabend in Dresden erstmals live erlebt habe, hat für mich das Bild von dieser Ausnahmekünstlerin vervollständigt. Händel blieb auch im Verlauf des Jahrs Thema: ob in einem Essay zu der Aktualität seiner Musik oder in weiteren Plattenrezensionen.
Weiteres Spitzenthema des Jahres war die deutsch-französische Sängerin Patricia Kaas. Erst war sie die Künstlerin des Monats, dann ihr Konzert im Leipziger Gewandhaus, dann ihr Gänsehautauftritt beim Grand Prix in Moskau, schließlich ihr herausragendes Livealbum zur Kabaret-Tour. Patricia Kaas ist eine der großen, von der hoffentlich auch 2010 viel zu hören und sehen sein wird.
Das beste klassische Konzert war ohne Frage das von Christina Pluhar und Freunden im Potsdamer Nikolaisaal im April. Hier ging es um Musik, um Gefühle, darum, den Menschen das zu geben, was Leben und Liebe heißt. Ein unvergeßlicher Abend.
Auch Jessye Norman war Mittelpunkt zahlreicher Beiträge: ob ihr Interview mit Reinhold Beckmann, ihr Auftritt bei Götz Alsmann, ihr triumphales Konzert im Gewandhaus oder ihr sensationelles Live-Album "Roots". Jessye Norman ist immer noch unerreicht und eine Primadonna, mit der man immer noch rechnen darf und muss.
Leider barg das Jahr 2009 nicht nur Erfreuliches: Der Tod von Michael Jackson war nicht nur ein lukratives Nebengeschäft, er war auch für viele Menschen wie mich ein erschütterndes Ereignis, das das Ende einer Ära bedeutete. Möge der König der Pop-Musik in Frieden ruhen!
Einer anderen bereits 1994 verstorbenen Sängerin widmete ich dieses Jahr einige Beiträge. Es ist die für mich größte klassische Sopranistin überhaupt: Lucia Popp. Sie wäre dieses Jahr 70 Jahre alt geworden.
Die Sängerin des Jahres ist aber für mich ganz ohne Frage Whitney Houston. Die Königin des Pop-Gesangs ist mit einem handwerklich perfekt durchgestylten Album – I Look To You" – zurückgekehrt. Ihre stimmliche Entwicklung geht in die richtige Richtung. Sie kehrt den dunklen Zeiten ihres Lebens immer weiter den Rücken, so als ob sie nie weg gewesen wäre. Die Königin ist wieder zurück und wir sind ihre Untertanen. Das kommende Jahr kann nur gar besser werden mit einer großen Welttournee, die an dieser Stelle noch oft Thema sein wird. Alle preisen die Königin, ich tue dies zumindest.
Die besten Platten des Jahres 2009
01. Whitney Houston: "I Look To You"
02. Patricia Kaas: "Kabaret live aus Casino de Paris"
03. Jessye Norman: "Roots – My Life, My Song"
04. Barbra Streisand: "Love is the Answer"
05. Conradi: Ariadne
06. Vesselina Kasarova: "Passionate Arias"
07. Roberto Fonseca: "Akokan"
08. Isabel Bayrakdarian: "Cleopatra"
09. Alexandra: "Stimme der Sehnsucht"
10. Isabel Bayrakdarian singt Lieder von Pauline Viardot Garcia
Die wöchentlichen Top 5 konnten dieses Jahr nicht berücksichtig werden, da erst seit der Woche 48/2009 die Platzierungen notiert werden. Sie werden für 2010 angerechnet.
Die besten Konzertelebnisse 2009
1. Christina Pluhar, L'Arpeggiata, Philippe Jaroussky, Lucilla Galeazzi, Gianluigi Trovesi: Potsdamer Nikolaisaal
2. Whitney Houston in der Freiburger Messe bei "Wetten, dass ..?"
3. Jessye Norman im Leipziger Gewandhaus
4. Patricia Kaas im Leipziger Gewandhaus
5. Vesselina Kasarova in der Dresdner Semperoper

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