Mittwoch, 7. Oktober 2009

Die Stimme der kleinen Sachen

Zum Tod von Mercedes Sosa (*09. Juli 1925, †04. Oktober 2009)

Sie war die Stimme Argentiniens, die Stimme Lateinamerikas. Sie hat für die Freiheit gesungen, wenn sie sich auch immer als unpolitische Sängerin bezeichnet hat. Doch allzu oft hat sie in ihren Liedern die Missstände in ihrem Heimatkontinent besungen. Oft hat sie vom Leben der Indios gesungen. Immer hat sie aber auch von der Schönheit und Traurigkeit des Lebens gesungen.

"Gracia a la vida" hieß ihr berühmtestes Lied. Darin dankt sie dem Lieben für alles, was es ihr gegeben hat. Mit dem Tod der Sängerin müssen wir auch ihr danken, dass sie unserem Leben so viel gegeben hat.

Wer sie nur als politische, für die Freiheit kämpfende Sängerin ansieht, der tut ihr Unrecht. Sie war einfach auch eine herausragende Sängerin, die live fesseln konnte und die eine der klangschönsten Stimmen des 20. Jahrhunderts hatte. Ich verneige mich vor dem Menschen, in erster Linie aber vor der Künstlerin Mercedes Sosa.

Eines ihrer schönsten Stücke war "Canción de las simples cosas". Darin besingt sie die einfachen Dinge des Lebens, die Liebe. Die einfachen Dinge, die uns erst fehlen und bewusst werden, wenn sie weg sind. Mercedes Sosa wurde schon zu Lebzeiten hochgeschätzt und wie eine Heilige verehrt. Es gibt keinen Grund, warum auch nicht sie als so eine "simple cosa" angesehen werden sollte. Sie war kein Stimmwunder, sie war keine Hochintellektuelle, sie hatte keine hohen politischen Ämter inne. Sie hat aber die Welt etwas besser gemacht, mit ihrem Gesang, mit ihrer Musik. Adios, La Negra!