"Auferstanden aus Ruinen“, schrieb Johannes R. Becher in der Hymne der DDR. Könnte man dieses Bild auf Menschen übertragen, dann würde es für eine Person – Faust aufs Auge – zutreffen: Whitney Houston. Die Diva, die eine ebenso einmalige Stimme wie Karriere besitzt, hat in den letzten Jahren durchaus Schlagzeilen gemacht. Leider aber mit ihrem Privatleben und nicht mit ihrer Musik. Doch jetzt scheint sie alle Probleme hinter sich gelassen. Ihren Ex-Mann Bobby Brown. Ebenso wie ihre Drogensucht. Nun widmet sie sich dem, wofür sie die Welt geliebt hat und nie aufgehört hat, zu lieben: Sie singt wieder.Das erste Lied, das die Welt ganz offiziell vom neuen Album „I Look To You“ (VÖ: 28. August 2009) hören darf und dazu noch kostenlos (siehe: [whitney-media]), ist die Titelnummer. Das Stück, das von R. Kelly geschrieben und von Tricky Stewart und Harvey Mason, Jr. produziert wurde, ist eine spirituelle Ballade, die ganz klar die Handschrift von Kelly trägt. Whitney Houston singt davon, dass sie einiges durchleben musste, vieles in ihrem Leben schief gelaufen ist, aber am Ende „er“ zu ihr stand. Er, das ist Gott. Whitney Houston, die Baptistin aus Newark, hat nie eine Mördergrube aus ihrem gläubigen Herz gemacht. Sie, die aus der Gospelmusik, der Kirchenmusik der Schwarzen kommt, führt ihre Stärke auf Gott und natürlich ihre Familie zurück.
Das Lied ist rein musikalisch gesehen kein großer Streich. In den falschen Händen hätte es eine Nummer werden können, die man einmal angehört und für immer beiseite gelegt hätte. Doch Whitney Houston macht daraus, was sie schon immer zu tun verstanden hat. Sie macht daraus ein Vokalfest.
Unverkennbar, die Stimme. Unverkennbar auch die Tatsache, dass ihre Stimme nicht mehr die ist, die Kevin Costner 1992 „I Will Always Love You“ entgegenschmetterte. Aber es ist immer noch die Stimme, vor der sich alle fürchten. Die Hörer, weil sie zu Tränen gerührt werden. Und die Kolleginnen, weil sie an dieses Niveau trotz vielleicht gesünderer Stimmbänder nicht heranreichen.
Vieles ist anders geworden im Leben der Whitney Houston. Nur musikalisch bleibt sie sich treu. Das Lied ist sauber gesungen, mit vielen hohen Noten (auf den yous natürlich) und einer Zeile, in der sie von falsch eingeschlagenen Wegen singt, die den Hörer für sich ruckartig einnimmt. Dass bei dem ersten „I Look To You“ im Refrain immer ein Bruch bei der hohen Note erfolgt – wahrscheinlich aufnahme- und schnitttechnisch bedingt – stört zwar, ist aber verzeihlich. Die Stimme ist rauer geworden, die Artikulation etwas unpräziser, das Timbre ist aber immer noch einzigartig. Am Ende gibt es dann sogar eine Reminszenz an „I Will Always Love You“.
Es gibt keinen Grund, sich nicht über die Rückkehr der ultimativen Pop-Stimme unserer Generation zu freuen. Das neue Material braucht nicht im Schatten ihrer Diskographie der 80er und 90er Jahre zu stehen. Diese Frau hat noch viel zu sagen und noch viel mehr zu singen.
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