Das Haydn-Jubiläumsjahr ist deutlich leiser als das Händel-Jahr, dabei handelt es sich in beiden Fälle um dasselbe Jahr. 2009 begehen wir zum 200. Mal Joseph Haydns Todestag. Dem Großmeister, den Mozart wie Beethoven verehrt haben, gebührt aber jede Aufmerksamkeit. Deswegen ist es erfreulich, dass das MDR-Sinfonieorchester einem seiner besten, aber auch am seltensten aufgeführten Werke ein Konzert widmet.
Das aber nicht einmal dreiviertelstündige musste sich den Abend natürlich teilen. Aber nicht mit anderen Kompositionen von Haydn, sondern mit einer Uraufführung und einer Repertoireentdeckung.
Der Abend begann mit einer Uraufführung des in Leipzig lebenden Komponisten Daniel Smutny (geb. 1976). Das Werk trug den vielsagenden Titel „Pool of Dawn“. Vielsagend, weil schon hier angesichts des englischen Titels klar wird: Wer nichts zu sagen hat, sagt es englisch. Die mit „Schwimmbecken der Morgendämmerung“ sinnleer übersetzbare Komposition bietet eigentlich nichts, worüber es sich zu sprechen lohnen würde, wäre da nicht der eifrige Einfall, das Schlagzeug durch „Wasserzeug“ zu ersetzen. Drei „Spieler“ (Tellerwäscher wäre angebrachter) durften Waschlappen auswringen und mit Glöcken im Wasser klingeln. Zur Abwechslung durfte auch mal die Peitsche geschwungen werden. Was vom Komponisten vielleicht als kreativ und innovativ gedacht war, entbehrte in der Aufführung nicht einer unfreiwilligen Komik. Die restlichen Stellen wurden mit Gezupfe und zeitgenössisch-musikalischen Allgemeinplätzen gefüllt. Kein gutes Werk, wenn auch der Applaus gehörig ausfiel.
Deutlich besser wurde es dann mit einem Stück des in Sibirien geborenen Edison Denissow (1929-1996). Aufgeführt wurden die Variationen über den Haydn-Kanon Hob. XXVIIB:21 für Violoncello und Orchester mit dem Titel „Tod ist ein langer Schlaf“. Hier erlebte man nun, was Musik des 20. Jahrhunderts leisten kann. Das 1982 in Moskau uraufgeführte Werk hatte aber auch mit Sybille Hesselbarth eine großartige Interpretin, die als Zugabe das Solostück für Cello „Das Buch“ des 1946 geborenen lettischen Komponisten Pēteris Vasks darbieten durfte. Der deutsche Titel war auch hier vielsagend. Dieses Stück hatte Charakter, stellte aber an die Interpretin hohe Herausforderungen. Doch diese packte sie und überzeugte Publikums- und Kritikerherzen. Die von ihr selbst zum Cellospiel gesungene Vokalise war markant. Das heißt innovativ und kreativ. Das beste Stück des Abends. Hätte es nicht noch das Opus gegeben, weswegen wohl die meisten da waren.
Joseph Haydns Missa in angustiis Hob. XXII:11 mit dem Namen „Nelsonmesse“ ist ein grandioses Glaubensbekenntis mit Kyrie eleison, Gloria in excelsis deo und dergleichen. Eine Messe, die Haydns Genie in voller Breite vorführt. Fast wäre „Papa“ Haydn der alleinige Star der Aufführung geblieben, wäre da nicht ein blonder Engel mit einer ebenso engelhaften Stimme gewesen. In dem Werk spielt der Sopran bekanntlich die Hauptrolle und Annette Dasch, hochkonzentriert und wunderschön, füllte diese Rolle mit voller Lust aus. Die anderen Solisten waren alle hervorragend, doch mit Ausnahme des besonders im Lied erfolgreichen Baritons Stephan Genz konnten sie aufgrund der Werkkonzeption nicht ihre Stärken zeigen (James Taylor hätte es ja gekonnt, wie in der Kritik zu Conradis „Ariadne“ nachzulesen ist).
Der umjubelte MDR-Rundfunkchor hat seinem Ruf alle Ehre gemacht. Ein herrlicher Klang, wenn auch stellenweise in der Diktion etwas ungenau. Das MDR-Sinfonieorchester unter Howar Arman spielte gekonnt auf.
Das Programm:
1. Daniel Smutny: „Pool of Dawn“ für Orchester (2009) – Uraufführung – Auftragswerk des MDR
2. Edison Denissow: „Tod ist ein langer Schlaf“ – Variationen über den Haydn-Kanon Hob. XXVIIB:21 für Violoncello und Orchester
3. Joseph Haydn: Missa in angustiis Hob. XXII:11 „Nelsonmesse“
Besetzungsliste:
MDR-Sinfonieorchester
MDR-Rundfunkchor
Sybille Hesselbarth, Violoncello
Annette Dasch, Sopran
Hermine Haselböck, Alt
James Taylor, Tenor
Stephan Genz, Bariton
Howard Arman, Dirigent und Einstudierung des Chores

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