Jessye Norman in der ARD-Sendung „Beckmann“ vom 18. Mai 2009
Selten genug ist klassische Musik Thema in den großen Fernsehsendungen, die Zuschauer im hohen siebenstelligen Bereich erreichen. Wenn dann auch noch eine der größten Stimmen und zugleich eine der größten, geheimnisumwittersten Diven des klassischen Gesanges neben Dauergästen wie Iris Berben in einer Gesprächssendung Platz nehmen darf (und will) , dann ist dies ein wichtiges und frohes Ereignis für Fans der Dame und der Musik insgesamt.So hat am Montag Jessye Norman ihren Weg nach Hamburg zu Reinhold Beckmann gefunden. Ihren letzten Talkshowauftritt hatte die Primadonna assoluta 1993 in der von Alfred Biolek moderierten Sendung „Boulevard Bio“. Damals verriet sie dem Großmeister der Fernsehunterhaltung, dass sie zur Musik gekommen sei, weil sie sehr gerne singe. Biolek konnte sich seine ironische Verwunderung nicht verkneifen. Doch so einfach können die Dinge sein.
Auch diesmal verriet das Monstre sacré der Oper und des Liedes keine welterschütternden Neuigkeiten. Stattdessen sprach sie über ihr neues Bühnenprogramm "Roots" (Jessye Norman auf Tournee), das vor allem aus Spirituals besteht und an dem André Heller, der über sie schon eine künstlerisch anspruchsvolle Dokumentation gemacht hat, mitgearbeitet hat. Sie sprach über die Ehre, für den US-Präsidenten Barack Obama gesungen und Abraham Lincoln rezitiert zu haben. Und sie teilte wieder einmal mit der Welt ihre Bewunderung für die legendäre afroamerikanische Sängerin Marian Anderson, die für andere schwarze Sänger wie Frau Normans selbst die Türen geöffnet hatte.Einigermaßen erhellend und sympathisch war Jessye Normans Eingeständnis, dass ihr das Singen nicht so leicht falle, wie manche glauben, dass es harte Übung und viel Arbeit ist. Und das halte sie mit beiden Beinen auf der Erde.
Als sie dann auch noch zwei Spirituals anstimmte, war zwar klar, dass ihre große Zeit, in der ihrer Stimme keine andere gleich kam, vorbei ist, dass es aber eine Schande wäre, das was von dieser Stimme Übriggebliebene vorzuenthalten. Denn das verzaubert immer noch. Die Magie beim Singen kommt ja selten aus den Stimmbändern, sondern viel öfters aus dem Herzen. Und ein großes Herz hat diese Diva, was sie ist, ohne ihr die negativen Eigenschaften, die viele mit dieser Bezeichnung verbinden, zuschreiben zu wollen. Sie hat eine nicht auf Gewinn angelegte Schule gegründet (Jessye Norman School of Art), um den Kindern etwas Positives zu geben. Sehr viel Positives hat uns die Sängerin, die an Musik auf dem Jupiter glaubt, in der Tat gegeben.

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