Auch zum Händel-Jahr will die Silikon-Fraktion unter den Klassik-Hörern nicht auf ihre Boulevard-Stars verzichten. Und so traute sich auch der mexikanische Verismo-Tenor Rolando Villazón an Händel heran. Schlecht ist das Ergebnis nicht, aber auch völlig glanzlos. Da ist der südafrikanische Tenor Kobie van Rensburg schon ein ganz andere Fall. Davon abgesehen, dass Rensburg ein hell timbrierter Tenor ist, überstrahlt sein Händel den von Villazón doch um Welten.Der auf Barockmusik und Mozart spezialisierte Tenor (zu hören in der kürzlich erschienenen Aufnahme von Händels Alcina unter Alan Curtis) hat eine sehr geläufige Gurgel und eine wunderbar leuchtende Höhe. Dabei hat er sich für das vorliegende Programm nur Arien ausgesucht, die ihm gut liegen, so dass zu keinem Augenblick Grenzen seiner stimmlichen Möglichkeiten hörbar werden. Was aber Tenören seiner Art doch Grenzen aufweist, ist der Mangel an Stimmfarben. Es bewegt sich der Gesang doch immer in diesen – wenn auch – elysischen Höhen.
Gewidmet ist das Rezital dem wichtigsten Tenor der Händelschen Opern zu Lebzeiten des Komponisten, John Beard, gewidmet. Solche Tribute sind ja in den letzten Jahren zum Trend geworden: Vivica Genaux zollte Farinelli Tribut, Andreas Scholl Senesino, Cecilia Bartoli Maria Malibran, Juan Diego Flórez Rubini und Vesselina Kasarova fast zeitgleich mit Philippe Jaroussky Carestini. Doch Kobie van Rensburg war diesen Herrschaften voraus. Sein Programm wurde schon 2000 aufgenommen im Goethe-Theater von Bad Lauchstädt unweit von Halle gelegen. Es ist unzweifelhaft immer eine nette Idee einen Sänger vorzustellen, für den die Stücke ursprünglich geschrieben wurden oder der diese bekannt gemacht hatte, und so eine Sängerkarriere nachzuerleben. Doch tut dies rein gar nichts zu der Qualität einer Aufnahme. Glücklicherweise ist Kobie van Rensburg in harmonischer Begleitung von Wolfgang Katschners exzellentem Alte-Musik-Ensemble Lautten-Compagney aber doch ein Qualitätswerk gelungen.
Das Album teilt sich in vier italienische Arien (darunter das wunderbar ekstatische „Vanne si ...“ aus Giustino und das herrlich schwebende „Un momento di contento“ aus Alcina) und elf englische Arien (darunter das berühmte „Where'er you walk“ und das narkotisierende „I must with speed amuse her“, beide aus Semele) komplettiert von zwei Instrumentalstücken (unspektakulär, aber als „Durchatmer“ sehr geeignet, vor allem die Passacaglia aus Rodrigo).
Die einzige ernsthafte Kritik richtet sich nur gegen die Titelreihenfolge: Es wäre weiser gewesen, die spektakulären Stücke nicht so nahe beieinander zu packen, sondern auf Anfang und Ende der CD zu verteilen. Die beschließende Arie „Love sounds the alarm“ aus Acis und Galatea ist dann aber doch ein guter, ein wenig auch krönender Ausklang eines alles in allem hervorragenden Rezitals. Dieses ist, wenn auch keine aktuelle Erscheinung, doch ein aktueller Tipp für das Händel-Jahr 2009 und darüber hinaus.
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