Sonntag, 22. März 2009

Zum Mendelssohn-Jahr 2009: Platte des Monats - Mendelssohn-Lieder von Nathalie Stutzmann


Sehr vernachlässigt ist unter vielen seiner Werke vor allem das Lied-Œuvre von Felix Mendelssohn Bartholdy (1809-1847), der dieses Jahr seinen 200. Geburtstag feierte. Da ist es erfreulich, dass eine Ausnahmekünstlerin wie Nathalie Stutzmann vor rund 18 Jahren einige seiner Lieder aufgenommen hat. Jetzt soll diese Aufnahme der Blog-der-Lieder-Tipp zum Mendelssohn-Jahr sein.

Mendelssohn ist ein ganz anderer Liedkomponist als es zum Beispiel Schubert war. Seine Lieder sprühen nicht so von Melodien, wie sie es bei Schubert mit österreichisch-ungarischem Einfluss tun. Dennoch sind auch seine Kompositionen belebt von dem Geist, ein Gedicht mindestens ebenbürtig vertonen zu wollen. Sie stellen das Klavier als mindestens ebenbürtigen Partner neben den Gesang, das sehr oft erst aus den Lieder kleine Juwele macht. Der Liedveteran Dalton Baldwin macht hier wieder einmal eine ausgezeichnete Arbeit. Nicht selten ist er der Star bei den Stücken.

Natürlich gibt es bei der vorliegenden Auswahl auch Höhepunkte wie das Pagenlied nach Eichendorff, das bekannte „Auf Flügeln des Gesanges“ nach Heinrich Heine, Suleika nach Goethe oder das Juchheisa-satte Hexenlied nach Hölty. Im Volkslied nach Ernst Freiherr von Feuchtersleben kommt Mendelssohn sehr nahe an Schumannsche Klangwelten heran und bietet daher einen krönenden, da kontrastreichen Abschluss der Mendelssohn-Reihe.

Nathalie Stutzmann ist nun wirklich eine außergewöhnliche Sängerin. Sie besitzt eine außerordentlich dunkle, gar männlich tönende Alt-Stimme. Sie bewegt sich in Ihrem Gesang immer auf dem Drahtseil. Ihre Stimme ist so schwer, dass sie immer gefährlich nahe am Umkippen ist, dies aber der Sängerin sei Dank nie tut. Als Liedsängerin ist sie sehr zu schätzen, auch wenn es mit ihrer Stimme doch sehr schwierig ist, nuancierend zu interpretieren. Trotzdem ist sie auch bei den leisen Tönen sicher und sehr stark darin, die wichtigen Stellen eines Liedes herauszustellen – und selbst wenn ein Lied von Mendelssohn nun nicht gerade aufregen gestaltet wurde, werden sie bei ihr nie allzu langweilig. Vergleicht man diese Aufnahme mit ihren Brahms-Interpretationen (z. B. den zwei auf der Recital-CD, auf der auch die besprochenen Mendelssohn-Lieder enthalten sind, oder denen mit Inger Södergren), so muss man feststellen, dass Mendelssohn ihrer Kehle und ihrem Geist eher liegt. Sie wirkt noch sicherer und weniger phlegmatisch. Die deutsche Aussprache der Sängerin ist an sich korrekt mit kleinen Verfärbungen, doch die Textdeutlichkeit lässt zu wünschen übrig, was vielleicht auch der Stimmlage geschuldet sein könnte.

Alles in allem ist diese Zusammenstellung allen Liedfreunden, die jenseits von Schubert, Schumann und Brahms weniger bekanntes Repertoire entdecken wollen zu, empfehlen. Man wird diese vielleicht nicht sehr oft anhören, dafür aber umso intensiver.

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