"Kabaret" heißt Patricia Kaas' aktuelles Album und die dazugehörige Tournee. Eine Station war gestern die Musikstadt Leipzig. Es war wirklich eine Show und weniger ein Konzert. Das Programm war sorgfältig durchgeplant, durchchoreographiert mit einer Tänzerin, einer tanzenden Patricia Kaas und einem Bildschirm, auf dem extra für die Tournee entworfene Videos und Animationen liefen. Die Musiker waren allesamt "kabaratesk" angezogen. Frau Kaas wechselte mehrfach ihre Kleidung hinter der Bühne, ohne längere Pausen zu verursachen. Die Garderobe war elegant bis keck-modern-sex.Dabei bot die französische Sängerin neben ihren bekannten Liedern auch neuere von ihrer neuen Platte. Den größten Applaus bekam sie natürlicherweise für ihre Klassiker, allen voran "D'Allemagne", "Les Eternelles" und vor allem "Les hommes qui passent". Ein Fehlgriff hingegen war ihre Interpretation des Friedrich-Holländer-Gassenhauers und der Marlene-Dietrich-Erkennungsmelodie "Falling in Love Again"/"Ich bin von Kopf bis Fuß auf Liebe eingestellt". Das Lied wollte so gar nicht zu der Sängerin passen (die Hommage an die Dietrich verdient trotzdem Anerkennung), schon gar nicht in dem vorgetragenen Arrangement. Überhaupt wurden alle alten Lieder neu arrangiert, ohne dass sie dadurch verstümmelt wurden. Begonnen wurde die Show auch mit einem neuen Arrangement ihres Hits "Mon mec à moi". In musikalischer Hinsicht war der Abend sehr schlüssig konzipiert; die Sängerin war stimmlich in guter, gewohnt rauchiger Verfassung.
Sicherlich, das Konzerte wirkte durch die wilden, teilweise aber auch roboterhaften Tanzeinlagen und die Hintergrundanimationen mehr wie Zirkus als Kabaret, aber es war doch Kunst auf hohem Niveau. Kunst, die das Publikum mit ausgelassenem Beifall quittierte. Trotzdem wäre ein einfaches Konzert besser, da ehrlicher gewesen. Da Patricia Kaas es aber geschafft, in einem Tempel der ernsten Musik das Publikum mitzureißen, hat sich das Experiment dennoch gelohnt.
Einen würdigen Abschluss fand der Abend nach etwa zwei Stunden mit dem diesjährigen französischen Eurovision-Song-Contest-Beitrag "S'il fallait le faire" und lang anhaltenden stehenden Ovationen.

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