Mittwoch, 18. Februar 2009

Platte des Monats - Zamazu von Roberto Fonseca

„Weltmusik“ ist eine Bezeichnung, die in den 80er Jahren erfunden wurde, um Musik, die nicht dem angloamerikanischen Pop-Schema entspricht und sonst nur in kleinteilige Kategorien einzuordnen ist, in eine leicht zu vermittelnde Schublade verstauen zu können. Über die Begrifflichkeit lässt sich vorzüglich streiten, aber wenn ein Album aufgrund der Außergewöhnlichkeit und Vielseitigkeit den Stempel „Weltmusik“ verdient hat, dann „Zamazu“ von Roberto Fonseca. Der kubanische Pianist, der schon mit vielen Größen seines Metiers gearbeitet hat, liefert ein Album, das nicht Jazz, nicht Klassik und nicht kubanische Folklore ist. Aber alles zugleich. Das 2007 bei Enja Records erschienene Album ist ein Schatz an nie langweilig oder profan werdenden Melodien. Wenn es 2009 der Platte des Monats würdig ist, dann deshalb, weil es mit der Zeit nur besser wird.

Der erste Titel „Misa Popular“ ist ein sehr kurzes von Fonsecas Mutter, Mercedes Cortes Alfaro, gesungenes A-cappella-Stück, das die Richtung des Albums vorgibt: Erwartungen nicht erfüllen, sondern übertreffen; Gewöhnliches vermeiden, Ungewöhnliches gewöhnlich machen.

Es geht weiter mit „Tierra en mano“, einem von einer Männerstimmenvokalise flankiertes Klavierstück. Die Männerstimme gibt auch den Ton für das dritte Lied, „Clandestino“, vor.

Mit „Llegó Cachaîto“ folgt auch schon der erste Höhepunkt, eine besinnliche Nummer, die aber durch das den anschließenden Kurzausflug mit „Asi baila mí madre“ auf angenehmste Weise gestört wird.

„Congo árabe“ führt weg von der Karibik und verführt in die Exotik des Orients – ein musikalischer Ritt auf einem Kamel. Zum Ende des Stücks kühlt sich das ägyptische Temperament ab – der Ritt ist vorbei – und es wird das Titellied gespielt, eine wenig sensationelle, aber solide Nummer.

„Suspiro“ wird dem Jazz-Etikett gerechter, um sich dann erneut in einer Melodie aus 1001 Nacht, „Ishmael“, aufzulösen. Mindestens eine dieser Nächte hatte aber Ishmael in Kuba und New Orleans verlebt.

„El Niejo“ ist solides Musizieren, das von einem Kracher gefolgt wird: dem reminiszierenden Klavierstück mit Gesang „Mil congojas“. Es singt Omara Portuondo und ihr tausendfacher Kummer durchdringt den Körper des Hörers. Wenn das Album hier aufhören würde, man würde vor Musikglück den Boden küssen. Aber es folgen noch vier Schätzchen. „Triste alegría“ ist ein Stück, das die verschiedensten Tänze thematisiert und eignet sich so weniger zum Mittanzen als zum Mitwippen, zur traurigen Freude, wie der Titel schon anregt.

Beim nächsten Lied doppelt sich der Albumtitel und so klingt auch das Stück wie der zweieiige Zwilling von „Zamazu“. Zu „Dime que no“ kann man nur „si“ sagen, ja diese Musik ist herrlich. Mit „Y por qué dice un niño“ findet die Schau einen würdigen, verspielten Abschluss. Wenn es nur noch weiter so gehen könnte, aber 68 Minuten von „Zamazu" sind 68 Minuten, in denen die Welt eine schönere ist.

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