Und wenn der Sieg nicht sein sollte, dann nimmt die Künstlerin auch keinen Schaden. Dafür ist Patricia Kaas zu groß und zu gut. Die Deutsch-Französin ist eine der wenigen französischen Gesangsstars, die diesseits und jenseits des Rheins ähnlichen Starruhm genießen, ohne für ihre Art von Musik belächelt zu werden. Viel hat sie auch getan für die deutsch-französische Freundschaft.
Aber auch die Musik hat ihr Einiges zu verdanken. Sie hat das Chanson entstaubt und in eine jazzigere, rockigere Richtung geführt. Jetzt entstaubt sie den Gran Prix von allem musikfremden Dreck. Und wie allen große Gesangskünstler ist live besser als im Studio.
Patricia Kaas hat nicht nur eine wunderbar markante Stimme und kann wirklich singen, sondern sie besitzt auch Ausstrahlung. Und das merkt man egal ob auf CD oder auf der Bühne. Wenn sie einen Klassiker wie "It's a man's world interpretiert" hat sie ebenso viel zusagen wie bei ihrem Eurovision-Beitrag "Et s'il fallait le faire".
Die Rauchigkeit ihrer Stimme hindert sie nicht daran, auch Klänge der Verletzlichkeit und Einsamkeit in ihren Interpretationen aufblitzen zu lassen. Sie ist eine vielseitige Gesängerin, was die Bandbreite ihrer musikalischen Mittel angeht, ansonsten jedoch nie beliebig oder anbiedernd.
Wahrscheinlich ihr bestes Lied ist "D'Allemagne". Dort verabschiedet sie sich von "Lili Marleen", das für das alte Deutschland steht. Jetzt kehrt sie für ihr neues Album "Kabaret" zu den Zeiten von Lili Marleen zurück. In gewisser Weise hat sie sich auch von der alten Patricia Kaas verabscheidet. Aber nur in dem Sinne, dass sie jetzt noch viel besser ist.
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