Sonntag, 25. Januar 2009

Zum Händel-Jahr 2009: Platte des Monats - Sento brillar von Vesselina Kasarova

Neuen Jahr, neues Jubiläumskind. Diesmal ist es neben Mendelssohn vor allem Georg Friedrich Händel. Der Meister ist nunmehr 250 Jahre tot. Anlass genug also dieses Jahr den Schwerpunkt dieses Blogs auf den Sachsen zu legen. Den Anfang macht das aktuelle Rezital der seconda donna Vesselina Kasarova.
Innerhalb eines Jahres sind zwei CDs als Tribut an den Vorzeigekastraten Carestini erschienen. Während aber der Vorzeigesopranist Philippe Jaroussky keinen Komponisten als Schwerpunkt wählte, entschied sich die Vorzeigemezzosopranistin ausschließlich für Werke von Händel. Das lange angekündigte und heiß erwartete Album bestätigt die Richtigkeit dieser Entscheidung.
Frau Kasarova hat nicht die elegische Stimmschönheit und androgyne Erotik vom französischen Kollegen, aber, wie sie es schon bei ihrem Mozart und Rossini bewiesen hat, ist sie eine Sängerin, bei der die Musik aus dem Bauch und zugleich aus dem Kopf kommt. Bei ihr sind Worte nicht einfach Worte, sondern Gefühle, Aussagen.
Ihre Sternstunden hat die Sängerin, wenn sie von Sehnsucht und Verzweiflung singt (wie in Teseos „Oh patria“ aus Arianna in Creta). Kein einziges Stück ist bei ihr schön, nur weil die Noten es sind. Selbstredend beherrscht sie die Koloraturen perfekt, nie ist sie am Rande ihrer Möglichkeiten, auch wenn sie immer klingt, als ob ihre Stimme gleich umkippt. Das ist nun einmal der typische Kasarova-Klang, der sie einzigartig und unantastbar macht.
Sie selbst sagt, dass ihre die ruhigen Stücke Händels am besten gefielen und fürwahr gestaltet sie sie in atemberaubender Intensität (höre „Scherza, infida“ aus Ariodante), aber atemberaubend sind erst recht die Stücke, bei der die gebürtige Bulgarin um ihr Leben trillert und koloriert (höre „Sento brillar nel sen“ ais Il pastor fido) und Alte-Musik-Expertinnen wie Cecilia Bartoli vergessen macht.
Dass sich mit der Ariodante-Ouvertüre auch ein rein instrumentales Stück auf die CD geschlichen hat, ist ein netter Bonus, eine weitere Arie mit dem Mezzo wäre aber noch netter gewesen, auch wenn das Orchester Il Complesso Barocco unter Alan Curtis durchwegs souverän spielt.
Den Abschluss macht „Verdi prati“ aus Alcina und hier zeigt die Wahlschweizerin, dass musikalische Schönheit nicht von den Stimmbändern, sondern aus dem Herzen kommt. Man muss sich ob der vorliegenden Aufnahme wirklich fragen, ob denn Vesselina Kasarova nicht die beste Mezzosopranistin ist, nicht unserer Tage, überhaupt!